Klingt erstmal spannend.
Menschen suchen zunehmend über KI nach Produkten, Dienstleistungen und Empfehlungen. Warum also nicht genau dort Werbung schalten?
Weil der Kanal aktuell noch nicht so weit ist.
Ein Praxistest aus den USA zeigt ziemlich deutlich, warum wir kleinen und mittelständischen Unternehmen momentan nicht empfehlen würden, relevantes Werbebudget in ChatGPT Ads zu stecken.
500 Dollar. Eine Stunde. Kein Lead.
Die US-Beratung Out of the Box Advisors hat ChatGPT Ads mit eigenem Geld getestet.
Kein theoretischer Vergleich. Keine Hochrechnung.
500 Dollar echtes Werbebudget für das eigene Unternehmen.
Das Ergebnis:
- das gesamte Budget war nach etwas mehr als einer Stunde ausgegeben
- rund 3,50 Dollar Cost per Click
- etwa 140 von ChatGPT gemeldete Klicks
- kein Lead
- kein Beratungsgespräch
- und vor allem: von etwa 140 gemeldeten bezahlten Klicks konnte der Autor später weniger als 20 Besuche nachvollziehen
Im Update vom August 2026 korrigiert der Autor seine ursprüngliche Einschätzung: Ein Teil des Traffics war angekommen. Von etwa 140 gemeldeten bezahlten Klicks konnte er später weniger als 20 Besuche nachvollziehen. Der erste Test brachte weiterhin keinen Lead und kein Beratungsgespräch.
Google Analytics erfasste den Traffic in diesem Zeitraum nicht zuverlässig. Wix Analytics funktionierte dagegen korrekt und lieferte die Grundlage für die nachträgliche Auswertung.
Bei einem späteren August-Test mit 175 Dollar ließen sich laut Autor 68 % der bezahlten Klicks als Website-Besuche nachvollziehen. Seine Einschätzung wurde dadurch weniger ablehnend, kehrte sich aber nicht um: Wenn überhaupt getestet wird, dann klein, mit überprüftem Tracking und streng begrenzten Ausgaben. [1]
Das ist für uns der entscheidende Punkt.
Nicht der CPC.
Nicht die Reichweite.
Nicht die Zahl der Klicks.
Sondern: Was ist am Ende tatsächlich passiert?
Und in diesem Test war die Antwort ziemlich einfach:
Ein kleiner Teil des Traffics war nachvollziehbar. Leads oder Beratungsgespräche entstanden im ersten Test trotzdem nicht.
Ein günstiger Klick ist wertlos, wenn daraus nichts entsteht
3,50 Dollar pro Klick kann auf dem Papier gut aussehen.
Aber ein Klick ist kein Kunde.
Und wenn sich nur ein kleiner Teil der gemeldeten bezahlten Klicks als tatsächliche Besuche auf der eigenen Website nachvollziehen lässt und daraus keine Anfragen entstehen, wird selbst ein günstiger CPC plötzlich ziemlich teuer.
Gerade KMU sollten sich deshalb nicht von schönen Dashboard-Zahlen beeindrucken lassen.
Die relevanteren Fragen sind:
Wie viele echte Besucher kamen an?
Wie viele Anfragen entstanden?
Was hat ein Lead gekostet?
Was hat daraus Umsatz gebracht?
Wenn diese Fragen nicht beantwortet werden können, ist die Kampagne nicht gut messbar.
Und ohne Messbarkeit würden wir kein relevantes Marketingbudget investieren.
Das Problem: Die Plattform ist noch Beta
Das ist übrigens keine versteckte Information.
OpenAI bezeichnet den Ads Manager selbst ausdrücklich als Beta-Produkt und weist darauf hin, dass Funktionen noch eingeschränkt sind. Deutschland gehört inzwischen zu den Ländern, in denen Self-Service verfügbar ist. [2]
Besonders kritisch finden wir aktuell die Verzögerung bei den Ausgabendaten.
OpenAI weist selbst darauf hin, dass diese 7–8 Stunden verzögert angezeigt werden können. [3]
Für ein kleines Unternehmen ist das nicht trivial.
Wenn ein Budget sehr schnell ausgegeben wird, möchte man normalerweise sehen:
Funktioniert das gerade?
Müssen wir stoppen?
Müssen wir Targeting oder Anzeige ändern?
Wenn die Kostendaten erst Stunden später vollständig auftauchen, kann ein kleiner Test längst durchgelaufen sein, bevor man sinnvoll reagieren kann.
Unsere Empfehlung für KMU: aktuell nein
Wenn uns heute ein mittelständisches Unternehmen fragen würde:
„Sollen wir 500 oder 1.000 Euro in ChatGPT Ads testen?“
würden wir momentan sagen:
Nein, nicht als relevantes Werbebudget.
Wenn überhaupt, dann als kleines, eng kontrolliertes Experiment: mit verlässlich funktionierenden Analytics, überprüftem Tracking und strikten Ausgabenlimits. Das ist etwas anderes, als einen spürbaren Teil des monatlichen Marketingbudgets dafür einzuplanen.
Nicht weil wir gegen ChatGPT sind.
Ganz im Gegenteil. Wir nutzen KI selbst und glauben, dass AI Search und wahrscheinlich auch AI Advertising ein wichtiger Teil des Marketings werden.
Aber es gibt einen Unterschied zwischen:
früh dabei sein
und
Geld in einen noch unreifen Werbekanal werfen.
Für Konzerne mit großen Testbudgets mag das völlig okay sein.
Für ein KMU, das vielleicht 1.000 oder 2.000 Euro Marketingbudget im Monat hat, sehen wir aktuell bessere Möglichkeiten.
Wo wir das Geld momentan eher einsetzen würden
Bevor 500 Euro in ChatGPT Ads fließen, würden wir bei vielen KMU zuerst prüfen:
- Ist die Website überhaupt klar und überzeugend?
- Wird das Unternehmen bei relevanten Google-Suchen gefunden?
- Ist SEO sauber aufgebaut?
- Ist das Unternehmen für KI-Suchen verständlich aufgestellt?
- Funktionieren bestehende Google- oder Meta-Kampagnen?
- Gibt es ein vernünftiges E-Mail-Marketing?
- Werden bestehende Leads konsequent weiterbearbeitet?
- Ist klar, welche Zielgruppe überhaupt erreicht werden soll?
Das klingt weniger aufregend als der neueste Werbekanal.
Aber Marketingbudget sollte Ergebnisse produzieren und nicht nur Experimente finanzieren.
Quellen
[1] Out of the Box Advisors – We Spent Real Money on ChatGPT Ads for Small Business. Here's Why You Should Avoid Them For Now. https://www.outoftheboxadvisors.com/post/we-spent-real-money-on-chatgpt-ads-for-small-business-here-s-the-honest-truth
[2] OpenAI Help Center – Verfügbarkeit des Ads Managers https://help.openai.com/de-de/articles/20001245-ads-manager-availability?utm_source=chatgpt.com
[3] OpenAI Help Center – Übersicht über Ads Manager Beta https://help.openai.com/de-de/articles/20001206-ads-manager-beta-overview?utm_source=chatgpt.com




